War And Peace

Illustrations for an article by Wolfgang Dietrich in OPUS magazin Nr.71 War And Peace

Wie geht Friede? Wer kann Konflikt?

Auschnitt des Textes: "Da Konflikt in diesem Sinn conditio humana ist, kann innerhalb des Systems Mensch niemand das Confligieren vermeiden, eigenmächtig verwalten oder lösen. Wir können nur unseren Umgang damit lernen und pflegen, indem wir verstehen, dass dem Beziehungswesen Mensch der gelungene Umgang mit seinen Konflikten gleichbedeutend mit einem guten Leben ist. Konflikte sind Lebensenergie, deren destruktives Potenzial so transformiert werden kann, dass das Leben aller Betroffenen ein wenig angenehmer wird. Was aufs Erste idealistisch klingt, bezeichnet die natürliche Begabung des Menschen zum affektiven Umgang mit Konflikten. Wir scheitern daran selten, und sehr selten so spektakulär, dass das ein Thema für die Nachrichten wird. Konfliktbearbeitung als kollektives Bildungsgut ist daher ratsamer als hoheitliche Vermeidung oder Verdrängung aller Konflikte.

Der schlechte Ruf des Konfliktes begründet sich in der europäischen Tiefenkultur. Für das Mittelalter waren Stolz, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit Todsünden, also schwere Irrtümer, welche die Abkehr von der christlichen Sündenvergebung durch die Taufe anzeigten. Die Aufklärung baute darauf die Ansicht, dass diese destruktiven Aspekte den von ihr idealisierten Fortschritt behinderten. In einigen Schulen der Psychologie werden sie als Schattenaspekte bezeichnet, weil sie unangenehme Eigenschaften der Spezies Mensch umschreiben. Unangenehmes zu unterdrücken, nährt es aber. Irgendwann wird es daher mächtig aus dem Schatten treten und sich eventuell zerstörerisch entfalten. Daher empfiehlt sich eher die Anerkennung dieser Schatten als Teil unseres Selbst und der Erwerb von Umgangsformen damit, die es erlauben, ihr zerstörerisches Potenzial schrittweise in konstruktive Beziehungsdynamik umzuwandeln."